FACTSHEET | Medikamente und Umweltschutz
Wie werden Medikamente richtig entsorgt?
Die Entsorgung von Medikamenten sollte durch gewissenhafte Verordnung so gering wie möglich gehalten werden. Die Entsorgung ist über den Hausmüll erlaubt und unproblematisch, da der Müll in der Regel verbrannt wird. Medikamente sollten nicht über Waschbecken oder die Toilette entsorgt werden, da sie so ins Wasser und in die Umwelt gelangen.
Was ist das Problem mit Dosieraerosolen?
Die Verwendung von Dosieraerosolen zur Behandlung von Lungenerkrankungen ist sehr schädlich fürs Klima. Das in Dosieraerosolen häufig verwendete FKW Norfluran hat ein etwa 1.300-fach erhöhtes Treibhauspotential im Vergleich zu CO2 und eine Verweildauer von 13,4 Jahren in der Atmosphäre. Eine umweltfreundlichere Alternative stellen Pulverinhalatoren dar, die - soweit möglich - bevorzugt eingesetzt werden sollten. Hier finden Sie die DEGAM-Leitlinie zur Klimabewussten Verordnung von inhalativen Arzneimitteln.
Problematisch für Umwelt und Gewässer: Diclofenac-haltige Gels und Salben
Diclofenac ist ein Arzneimittelwirkstoff mit entzündungshemmender, schmerzlindernder und fiebersenkender Eigenschaft, welcher als Gel, Injektionen, Tabletten oder Tropfen vorliegt.
Der Nachteil: Diclofenac kann aus dem Abwasser nicht herausgefiltert werden und reichert sich in Gewässern und darin lebenden Organismen an. Es schädigt bei Vögeln die Nieren und bei Fischen Leber, Nieren und Kiemen. Nachdem Diclofenac in den 1990iger Jahren in Indien zur Behandlung von Rindern zugelassen wurde, kam es zu einem massenhaften Geiersterben, weil die Vögel Kadaver von mit Diclofenac behandelten Weidetieren gefressen hatten. Alle Geierarten in Indien wurden daraufhin fast ausgerottet.
Hinzu kommt, dass Diclofenac-Gel schlecht über die Haut aufgenommen wird und spätestens beim ersten Waschen 94-99 Prozent des Mittels direkt ins Abwasser gelangt. Über das Leitungswasser nehmen wir Menschen es ebenfalls wieder in unseren Körper auf.
Das Umweltbundesamt rät daher von der Verwendung Diclofenac-haltiger Gels zur äußeren Schmerzbehandlung ab.
Pflanzliche Alternativen wie z. B. Beinwell haben eine vergleichbare medizinische Wirkung und sind für Tiere und Menschen unbedenklich.
Was ist das Problem mit PFAS?
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) bezeichnen eine Gruppe synthetischer Chemikalien, die durch besonders stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindungen gekennzeichnet sind. Fluorierte Medikamente sind aus der modernen Pharmakologie kaum wegzudenken. Charakteristisch für diese Wirkstoffe ist, dass sie mindestens ein vollständig fluoriertes Methyl- oder Methylen-Kohlenstoffatom enthalten. Diese chemische Struktur macht sie besonders stabil und reaktionsträge. Genau diese Eigenschaften führen jedoch dazu, dass fluorierte Arzneistoffe eine hohe Umweltpersistenz aufweisen.
In der Arzneimittelentwicklung wird Fluorierung gezielt eingesetzt, um Wirkstoffe vor dem schnellen Abbau im menschlichen Stoffwechsel zu schützen und ihre Wirksamkeit zu verlängern.
Der Nachteil: Viele dieser Substanzen werden vom Körper weitgehend unverändert wieder ausgeschieden. In kommunalen Kläranlagen können sie bislang nicht ausreichend entfernt werden und gelangen so in Gewässer und Böden, wo sie sich langfristig anreichern.
Die möglichen Auswirkungen fluorierter Arzneimittel auf Umwelt und Gesundheit sind bislang nur unzureichend erforscht. Angesichts ihrer hohen chemischen Stabilität und Persistenz besteht jedoch berechtigter Anlass zur Sorge.
Positiv ist: Für viele fluorierte Wirkstoffe existieren innerhalb derselben therapeutischen Klassen bereits Alternativen, die ohne Fluorierung auskommen. Diese können eine vergleichbare therapeutische Wirkung entfalten, ohne die damit verbundenen Umweltprobleme zu verursachen.
Dieser Artikel auf der Seite des Umweltbundesamtes beleuchtet die Thematik der Umweltwirkungen von Arzneimitteln sehr übersichtlich und zeigt Alternativen auf.
Vortrag "Umweltaspekte von Humanarzneimitteln" von Dr. Gerd Maack (Umweltbundesamt)
Aus der Fortbildungsreihe Nachhaltigkeit von Arzneistoffen & Umweltschutz im Pharmasektor
modifiziert nach der AG Nachhaltigkeit in der Dermatologie von Dr. Susanne Filfil und Dr. Stephanie Haberger
Ärzteblatt (2022) Umweltbewusster Umgang mit Arzneimitteln: Wie Ärzte sich beteiligen können; 119(9): A-380 / B-312, abgerufen von https://www.aerzteblatt.de/archiv/223745/Umweltbewusster-Umgang-mit-Arzneimitteln-Wie-Aerzte-sich-beteiligenkoennen#literatur am 21.12.2023.
Ärztekammer (2022): Arzneimittel im Wasser: Gefahr für Mensch und Tier, abgerufen von https://www.aekno.de/presse/nachrichten/nachricht/default-0c2a9d2691 am 19.01.2024.
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) (2023): Welche Auswirkungen haben Medikamente auf die Umwelt?, abgerufen von https://www.bmuv.de/richtig-entsorgen-wirkt/welche-auswirkungen-haben-medikamente-auf-die-umwelt am 27.11.2023.
Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA) (2022): 02/22 Information der Institutionen und Behörden: AMK: Ökotoxizität von Diclofenac – Hinweise zum verantwortungsbewussten Umgang, abgerufen von https://www.abda.de/fuer-apotheker/arzneimittelkommission/amk-nachrichten/detail/02-22-information-der-institutionen-und-behoerden-amk-oekotoxizitaet-von-diclofenac-hinweise-zum-verantwortungsbewussten-umgang/ am 27.11.2023.
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