Verantwortungsvolle Verschreibung mit Medikamenten in der nachhaltigen Arztpraxis
Medikamente sind oftmals ein wichtiger Bestandteil einer Behandlung, manchmal sind sie verzichtbar. Vor allem sind Medikamente teuer – die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Arzneimittel sind zwischen den Jahren 2014 und 2023 um mehr als die Hälfte auf rund 50 Milliarden Euro gestiegen. Zusätzlich belasten Medikamente die Umwelt durch Verpackungsmüll und dem Eintrag der Wirkstoffe ins Abwasser.
Eine Arztpraxis kann durch einen verantwortungsvollen Umgang mit der Verschreibung von Medikamenten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Das Grundprinzip ist einfach: Ärzt:innen hinterfragen in der Sprechstunde fortlaufend kritisch, ob Arzneimittel erforderlich sind. Ist dies der Fall, werden geeignete Medikamente nur so lange verschrieben, wie Patient:innen diese benötigen. Sofern möglich werden günstige und umweltfreundliche Alternativen bevorzugt. Dieser Ansatz vermeidet Nebenwirkungen, senkt Kosten, Abfall und den Eingang von Schadstoffen in die Umwelt. Fachleute sprechen von einer rationalen Pharmakotherapie.
Medikationsmanagement
Im Rahmen der rationalen Pharmakotherapie dokumentiert die Arztpraxis alle wichtigen Informationen der Verschreibung, zum Beispiel die Anwendungsdauer und teilt diese den Patient:innen mit. Die Arztpraxis erfasst und prüft regelmäßig alle Medikamente auf Notwendigkeit oder Nebenwirkungen, insbesondere bei Patient:innen mit fünf oder mehr Medikamenten oder mehreren chronischen Erkrankungen. Fachleute bezeichnen diesen Prozess als Medikationsmanagement. Unnötige Medikamente werden erkannt und abgesetzt.
Umweltbewusste Auswahl von Wirkstoffen und Darreichungsformen
Manche Medikamente enthalten besonders umweltschädliche Wirkstoffe, wie bestimmte Antibiotika oder das Schmerzmittel Diclofenac. Bei anderen Medikamenten ist die Darreichungsform problematisch. So enthalten Dosieraerosole zur Inhalation klimaschädliche Treibgase. Die nachhaltige Arztpraxis prüft, ob alternative Wirkstoffe oder Darreichungsformen mit geringerem Umweltrisiko wie Pulverinhalatoren geeignet sind. Die Mitgabe von Informationen über die korrekte Anwendung und ordnungsgemäße Entsorgung ungenutzter Reste sind ebenso von Bedeutung für den Umweltschutz. Medikamente sind niemals über den Abfluss oder die Toilette zu entsorgen.
Unterstützung durch das Qualitätssiegel Nachhaltige Praxis
Das Qualitätssiegel Nachhaltige Praxis der Stiftung Praxissiegel e. V. und das aQua-Institut unterstützt Arztpraxen dabei, Nachhaltigkeit und Klimaschutz in den Praxisalltag einzubringen. Dies geschieht zum Beispiel mit Hilfe von Online-Schulungen und schrittweisen Anleitungen. Erfolgreiche Arztpraxen werden mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet.